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22.06.2018 11:26 Uhr

Wer in Mikrofinanzfonds investiert, legt sein Kapital mit sozialem Gewissen an. In Deutschland muss man die Fonds noch mit der Lupe suchen. Trotz der unsicher scheinenden Basis bringen sie sichere Erträge.

Grüne Kapitalanlagen, sprich solche, die nach bestimmten sozialen, ethischen oder ökologischen Prinzipien anlegen, sind derzeit in aller Munde. Der nachhaltige Anlagemarkt wuchs 2017 um 30 Prozent . Allein in Deutschland waren im vergangenen Jahr 171 Mrd. Euro in den Fonds angelegt. Ein noch gezielteres Mittel, um mit seinem Geld Gutes zu tun, sind Mikrofinanzfonds.

Rentables Solidarsystem

Ziel der Mikrofinanzierung ist die Versorgung von einkommensschwachen Menschen mit dringend benötigtem Kapital. Klassische Mikrokredite sind ungesicherte Kredite, die im Regelfall über eine relativ kurze Laufzeit von drei bis sechs Monate vergeben werden. Die Beiträge sind eher niedrig und werden wöchentlich zurückgezahlt. Etabliert hat das System der Mikrofinanzierung der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus. Seine Lösung bestand in einer Neuverteilung der Bürgschaften. Statt auf die Schultern eines einzelnen Bürgen sollte das Kreditausfallrisiko der Kreditnehmer auf Gruppen verteilt werden. Dazu gründete er sein eigenes Mikrofinanzinstitut (MFI). Die von ihm ins Leben gerufene Grameen Bank ist zu 90% im Besitz ihrer Kreditnehmer. Ihr Kundenstamm umfasst heute fast neun Millionen Menschen. Weil sich das Konzept sowohl betriebs- als auch volkswirtschaftlich als tragfähig erwiesen hat, wurden in vielen Entwicklungsländern weitere Mikrofinanzinstitute gegründet, die nach den gleichen Grundsätzen handeln. Das investierbare Universum an MFI umfasst heute nahezu 10.000 Institute.

Der Mikrofinanzmarkt wächst

Nachdem sich zuerst vor allem nicht gewinnorientierte Organisationen und Regierungen an den Instituten beteiligten, rückten die MFI mit steigenden Gewinnen auch ins Blickfeld  privater und institutioneller Anleger. Mikrofinanzfonds sammeln mit einem klaren sozialen und ethischen Anlagekonzept Kapital ein, das über Dachorganisationen an Mikrofinanzinstitute vermittelt wird. Gegen diese erwerben die Dachorganisationen unverbriefte Darlehensforderungen

Das Investitionsvolumen wächst beträchtlich. Betrug es Ende 2012 noch sieben Milliarden USD, waren es Ende 2016 bereits doppelt so viel. Allein im Jahr 2016 wuchs das Volumen um 16%. Während die MFI aus aller Herren Länder stammen, ist der Anbietermarkt eher übersichtlich. Nahezu drei Viertel aller Fondsanbieter stammen aus der Schweiz (36%), den Niederlanden (23%) oder Deutschland (15%).

Überschaubares Universum

deutsche Mikrofinanzfonds
deutsche Mikrofinanzfonds

Quelle: Scope

Geht es um Investitionen in Mikrofinanzfonds, haben deutsche Anleger keine große Auswahl. Lediglich fünf Fonds sind hierzulande für private Investoren zugelassen, Institutionelle können aus sechs Fonds auswählen.

Auf gut 1,1 Mrd. Euro Assets under Management bringen es die fünf Publikumsfonds. Investiert sind sie überwiegend in kleine und mittlere Institute. Für die Ertragsleistung spielt die Größe keine Rolle. Alle fünf in Deutschland zugelassenen Mikrofinanzfonds rentieren sicher und stetig. Als Indikator des Risiko-Ertragsprofils dient der Referenzindex Symbiotics Microfinance Index (SMI). Seit seiner Auflage im Jahr 2003 weist der Index in den 167 Monaten nur fünf negative Monatsrenditen auf. Die Schwankungsbreite der jährlichen Indexrendite reicht beim SMI EUR von 0,4% (ytd) bis 5,55% (2008). Kumuliert kommt der Index seit Auflage 2004 auf knapp 47%. Bester Fonds ist nach einer Auswertung des Analysehauses Scope der IIV Mikrofinanzfonds (ISIN: DE000A1H44T1). Er erzielt eine Jahresrendite von 2,56%. Zweitbester Fonds ist der Dual Return Fund (ISIN: LU0533937727) mit 1,98% p.a.

Stabil durch die Krisen

SMI Index
SMI Index

Quelle: Scope

Vom Ertragsprofil her positionierten sich Mikrofinanzfonds zwischen Geldmarkt-Strategien und Anleihen, sind aber gegenüber klassischen Kapitalanlageformen wie Aktien oder Anleihen deutliche krisenfester (siehe Grafik), da sie unabhängig von den Entwicklungen auf den Finanzmärkten sind. Das Ausfallrisiko der Fonds ist sehr gering, da die Fonds ihre Investments sehr breit streuen. So war der KCD-Fonds Ende 2017 in 46 MFI investiert, verteilt auf 21 Länder.

Hohe Gebühren, niedrige Liquidität

Negativ fallen bei den Fonds zwei Aspekte ins Gewicht. Die Gebühren der Fonds fallen für Investmentfonds relativ hoch aus. Anleger müssen bis zu 5% Ausgabe-Aufschlag zahlen. Die Kostenspanne der fünf Fonds erstreckt sich von 1,72% auf bis zu 2,34%.

Da die Fonds nicht an der Börse gehandelt werden, gestaltet sich eine Rückgabe der Fondsanteile schwierig. Bei allen hierzulande handelbaren Fonds gilt eine eingeschränkte  Anteilsrückgabe, die entweder monatlich (Dual-Return Fund, GLS AI) oder gar quartalsweise (IIV Mikrofinanzfonds, KCD-Fonds) ausfällt.


Die Studie zu Mikrofinanzfonds finden Sie hier.


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